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 Carl Theodor Herminghaus /  Henriette Antonia Maria (Jetty) Siegler [Edle von Eberswald]

Anschlusstafeln:Tabelle der Prominententafeln  Deusser–Herminghaus (PDF/JPG), Goethe–Herminghaus (PDF/JPG)
Tafelindex:Namenindex zu den Prominententafeln 8 „Herminghaus“ auf 24 Anschlusstafeln

Ehemann:Personenblatt  Carl Theodor Herminghaus   (1854 – 1923)
 evangelisch-reformiert; Fabrikant, Kaufmann
Lebensbeschreibung (aufgezeichnet durch Walter Herminghaus):
Carl Theodor Herminghaus als zweites Kind des Fabrikanten Friedrich Wilhelm Herminghaus wurde am 25.1.1854 in Wülfrath geboren. Rothaarig mit hellem Teint, war er ein hübsches, aber schwächliches Kind, dem die Kinderkrankheiten nicht erspart blieben. Dank der aufopfernden Pflege seiner Mutter konnte er sie alle überstehen. Er liebte es, seine jüngeren Geschwister zu kommandieren, so kam es oft zu Zwistigkeiten. Sechsjährig kam er zu dem Volksschullehrer Gelderbloom in die Schule. Der war ein gerechter Lehrer, der zwischen arm und reich keinen Unterschied machte und jeden übers Knie legte, der ihm einen Grund dazu gab.
Theo hatte astigmatische Augen und war sehr kurzsichtig. Das wurde in seiner Jugendzeit von den Eltern nicht anerkannt. Wenn er seinem Vater damit kam, wird dieser ihm wohl geantwortet haben: „Ach was, dummes Zeug, wie kannst du schlechte Augen haben, wenn ich und deine Mutter gute Augen haben!“ Aber Theo litt sehr darunter und soll später gesagt haben, das hätte ihm seine ganze Jugendzeit vergällt. Beim Spielen und in der Schule war er sehr benachteiligt und wird manche trübe Erfahrung gemacht haben. Selbst wenn er in der ersten Reihe saß, konnte er nicht lesen, was auf der Schultafel geschrieben wurde.
Seine Mutter unterhielt im Garten eine große Hühnerschar. Was an überzähligen Eiern anfiel, mussten die Jungens umschichtig nach Elberfeld auf den Markt bringen. Dass sie an dem Tage die Schule versäumte, wurde nicht tragisch genommen, eine Entschuldigung schrieb man deshalb nicht aus. Am nächsten Tage wurde der Betreffende wegen unerlaubten Fehlens übers Knie gelegt.
Bis 1864 besuchte Theo die Volksschule, dann kam er nach Elberfeld in die höhere Schule. Damals gab es noch keine Eisenbahnverbindung zwischen Wülfrath und Elberfeld. Für einen Fußgänger wäre die Entfernung auch viel zu weit gewesen. Das Fahrrad war noch nicht erfunden, so blieb als einziges Beförderungsmittel das Pferd. Theo musste zur Schule reiten. Das hieß früh aus den Federn, um vorher noch das Pferd zu füttern und zu striegeln. Das ging auch nur in den Sommermonaten. Die übrige Jahreszeit war Theo bei einem Pastor in Quartier, der auch die Hausaufgaben überwachen musste. Die Zeugnisse bewiesen, dass das keine Ideallösung war. Als sein Vater erfuhr, dass ein gewisser Losenhaus seinen Sohn nach Friedrichsdorf in die Anstalt des Direktors Garnier schickte, besann er sich nicht lange und meldete auch Theo dort an. Die Kosten waren nicht gering und betrugen pro Jahr 1000,- Mark. Viel Geld in damaliger Zeit. In der Anstalt sorgte man auch dafür, dass Theo eine Brille bekam. Die Frau des Anstaltsleiters, die ihren eigenen Sohn verloren hatte, sorgte sich wie eine Mutter um ihn. So lebte Theo in der Zeit merklich auf. Wegen der Kosten durfte er nur in den großen Ferien nach Hause fahren. Die Weihnachtsferien und das Fest verlebte er mit vielen Kameraden in Friedrichsdorf. Eine Paketsendung überbrachte die Weihnachtsgeschenke.
1869 wurde er in Friedrichsdorf konfirmiert. Zu der Feier kamen sein Vater und seine ältere Schwester Emilie, genannt Milla, nach Friedrichsdorf. Sie benutzten die Gelegenheit, mit den drei Söhnen Theo, Wilhelm und Carl einige Tage im Taunus zu verbringen. In monatlichem Wechsel wurde in der Anstalt deutsch, französisch und englisch im täglichen Umgang gesprochen. Dadurch erwarben die Schüler recht gute Sprachkenntnisse.
Im Frühjahr 1871 bestand Theo die Abgangsprüfung. Der deutsch-französische Krieg war noch nicht beendet, die Schüler der obersten Klasse waren schon militärisch gedrillt worden. Theo hätte demnach Soldat werden können. Bei der Untersuchung wurde er als „nkv“, nicht kriegsverwendungsfähig, ausgemustert und vom Bezirkskommando freigestellt. In Mühlheim am Main vermittelte ihm sein Vater eine Lehrstelle in einem Webereibetrieb, wo er selbst weben lernte und auch kaufmännisch ausgebildet wurde. So konnte er seiner Anstaltsmutter Garnier schon Weihnacht 1872 mit einer selbstgewebten Decke eine Weihnachtsfreude machen. In dieser Lehrstelle wird er wohl mehrere Jahre geblieben sein.
Wir hören erst wieder 1875 von ihm. Damals feierten seine Eltern ihre silberne Hochzeit. Theo arbeitet in Elberfeld und in Hammerstein wird die Dampfmaschine aufgestellt und Vorkehrungen getroffen, dass auch dort der Betrieb anlaufen kann. Damals hat ihn sein Vater wohl oft als Entlastung gebraucht. Er selbst war von schwacher Gesundheit und arbeitsüberlastet, sodass er sich keine Erholung gönnen konnte. Er wird froh gewesen sein, einen Sohn zur Seite zu haben, der ihm manche Arbeit abnehmen konnte.
Drei Jahre später schickt ihn sein Vater nach Stuttgart. Er soll sondieren, ob sein Bruder Carl, der gesundheitlich nicht auf der Höhe ist, vielleicht einer schlagenden Verbindung beigetreten ist. Carl muss ihn vom Gegenteil überzeugt haben. Sie machten zusammen eine schöne Tour in die Umgebung. 1880 ist Theo bei dem Vertreter von Herminghaus und Co., einem Herrn Stöcker in London. Der führte ein großes Haus, nahm Theo wie einen Sohn auf und da wurde er auch mit dem Warenverkauf und dem Kundenbesuch betraut. Da hat Theo sich sehr wohl gefühlt und sprach später davon, es sei die schönste Zeit seines Lebens gewesen. Da verlebt er auch mit seinem Bruder Wilhelm das Weihnachtsfest.
Seine Lehrjahre sind nun vorüber, denn schon 1881 vertraut ihm sein Vater die Leitung des Reichenberger Werkes an. Da lebte er sich schnell ein. Auch im Privatleben kam er nicht zu kurz und lernte dort eine junge Dame kennen, die er gerne geehelicht hätte. Sie war katholisch und das war der Grund, dass sein Vater die Einwilligung verweigerte. Als sie und ihr Bruder aber einwilligten, evangelisch zu werden, konnte Friedrich Wilhelm gegen die Verbindung nichts mehr einwenden. Von seinen Schwiegertöchtern hat er sie am meisten geschätzt und nannte sie später einmal die Perle der Familie. Im Jahre 1884 heiratete Theo in Reichenberg Henriette Antonie Maria Siegler von Eberswalde am 16. August, wozu die ganze Familie Herminghaus zur Hochzeitsfeier erschien. Das junge Paar wird auch eine Hochzeitsreise nach Italien gemacht haben; aber darüber liegen keine Angaben vor.
Am 24.6.1885 wurde ihnen als erstes Kind Friedrich Wilhelm in Reichenberg geboren. Schon im nächsten Jahre zog das junge Paar nach Wülfrath um in Theos Vaterhaus in der Wilhelmstraße. Nun arbeitet Theo zusammen mit seinem Vater. Der sehnte sich schon längst nach einer Entlastung. Ein Halsleiden und ewiger Kopfschmerz, dazu die Überlastung, die die Leitung der verschiedenen Werke mit sich brachte, waren ihm längst zu viel geworden und er sehnte sich danach, auch einmal einen Erholungsurlaub machen zu können. In Bad Soden und Ems wie auch in Karlsbad und den ostfriesischen Inseln suchte er Heilung und Erholung. Aber sobald er sich wieder der Arbeit hingab, traten die alten Beschwerden wieder auf. So ist es nicht verwunderlich, dass er sich mit dem Gedanken befreundete, in den Ruhestand zu treten.
Am 10.10.1886 wurde in Wülfrath bei Theo Herminghaus Louise Henriette Klotilde geboren. Ihr Vater ging ganz mit der Zeit. Alles, was an Erfindungen gemacht wurde, zog ihn in seinen Bann. 1880, als Theo in London weilte und in einem Vortrage davon hörte, dass es dem Engländer gelungen sei, das Telefon zu erfinden, meldete Theo sich zum Wort und berichtete, der Fernsprecher wäre schon vor 10 Jahren [handschriftl. Korrektur: 1861] von seinem Physiklehrer Phillipp Reis in Friedrichsdorf erfunden worden. Er und seine Kameraden hätten sich oft gewundert, dass Reis von Gesprächen wusste, die in ihrem Schlafsaal geführt worden waren. Als die Schüler das Gerät entdeckten, gab Reis zu, es angelegt zu haben, und erklärte es in der nächsten Physikstunde. So trug Theo dazu bei, dass Reis als Ersterfinder anerkannt wurde.
Die Fotografie, die bis dahin nur in Händen von Berufsfotografen lag, wurde damals auch zu einem Hobby, dem jeder frönen konnte. Fotoapparate erschienen auf dem Markt und man konnte alles käuflich erwerben, was zum Fotografieren gehörte. Theo richtete sich zu Hause eine Dunkelkammer ein und seine Kamera begleitete ihn auf allen seinen Reisen. Das Metier verstand er bald so gut, dass ihm nachgesagt wurde, er sei der beste Privatfotograf. Auf einer fotografischen Ausstellung in Elberfeld wurde er sehr gelobt und in einer Zeitungskritik als der König der Privatfotografen bezeichnet.
Am 30.9.1887 schenkte ihm seine Frau als drittes Kind Carl Theodor. Wenn er auch rothaarig war, so war er doch von robuster Gestalt. Im darauffolgenden Jahre wurde ihnen als 4. Kind am 22.11.1888 Franz Georg geboren. Damals starb gerade Theos Mutter und der Pastor Frey nahm das zum Anlass, ihnen folgendes Beileidsschreiben zu senden:
„Sehr geehrter und lieber Herr Herminghaus! Eben hat das Geheimnis des Todes die Schwelle Ihres Hauses überschritten und auch das Geheimnis des Lebens. Ein teures Leben führt sein Schifflein zu Lande am Ufer der Ewigkeit und ein anderes steigt an der Küste der Zeit aus; aber hier wie dort der einige, ewige, treue Gott und Vater, der nimmt und gibt, der die Wiege bestellt und den Sarg, der die Pilgerfahrt ordnet und leitet vom ersten Kuss bis zum letzten Gruß. Das Menschenherz ist so geartet, wenn Gott uns eine Freude bereitet, dann klingt auch die Klagesaite im Innern mit. Wie vermissen Sie nun die liebe, verständige, fürsorgliche Mutter, wie wird es Ihnen und hernachmals auch Ihrem Kinde eine wehmütige Erinnerung sein, dass auf seine Geburtsstunde der Trauerschatten vom Heimgang der teuren Entschlafenen fiel. Aber wir bleiben bei dem Gebet und lernen es immer besser und stiller beten, wie schwer es auch ist: Dein Wille geschehe, und erfahren, wie wahr es ist: Bald mit Lieben, bald mit Leiden kamst du Herr, mein Gott zu mir, mir das Herze zu bereiten, ganz sich zu ergeben dir. Der Herr erhalte Ihnen das reiche häusliche Glück, dessen Sie sich freuen dürfen. Er segne Mutter und Kind!“
Das Leben des kleinen Georg sollte nur von kurzer Dauer sein. Schon am 22.8. des nächsten Jahres musste man ihn zu Grabe tragen.
Sein Vater ging ganz mit der Zeit. Am liebsten hätter er alles besessen, was neu erfunden wurde. Alle Erfindungen auf chemischem und physikalischem Gebiet zogen ihn in ihren Bann und regten ihn zu eigenen Versuchen an. So schuf er sich bald ein Labor, wo er nach Herzenslust arbeiten konnte. Damals baute Benz das erste Auto. Schon 1890 lief bei Theo die erste Benzine, wie man zu jener Zeit noch die Autos nannte. Mit ihr hat er manchen Kummer erlebt. Sie hatte noch ganz das Aussehen wie die Kutschen und fuhr nicht gerade geräuschlos. Wo sie erschien, riefen die Leute: „Der Teufel kommt!“ und rissen aus. Als Theo das erste Mal nach Hilden kam und vor Carls Wohnung hielt, entfuhren Luise die Worte: „Carl, sieh mal, dem Theo sind die Pferde durchgegangen!“ Wenn so ein Wagen durch die Straßen fuhr, dachten die meisten Menschen an Hexerei, denn man konnte sich nicht vorstellen, dass es noch eine andere Kraft als Pferdekraft geben sollte, die ein Fahrzeug in Bewegung setzte. Eine alte Frau, die das Vehikel sah, wurde von Wahnvorstellungen befallen. Es kam zu einem Prozess und Theo wurde verdonnert zu bezahlen. Ein Eselbesitzer, dessen Grautier bockte und mit dem Wagen zusammenstieß, verlangte mehrere Jahre Schadenersatz für ausgefallene Arbeitskraft. In dem Falle kaufte Theo selbst ein Grautier, um dem Eselärger ein Ende zu bereiten. Theo war der erste im Rheinland, der mit einer Benzine an die Öffentlichkeit trat, so erwuchsen ihm oft Schwierigkeiten, die heute ganz undenkbar sind.
Im Jahre 1891 am 14. Januar wurde in Wülfrath Ida Johanne Henriette geboren, die schon als Kind mit dem Namen Henny belegt wurde; als Tante Henny wurde sie später in Wülfrath und der Familie stadtbekannt. Ihre Eltern gönnten sich jedes Jahr eine Reise zur Erholung. In den ersten Jahren brachten sie ihren Urlaub am Plattensee zu, wo Jettys Eltern ein schönes Rittergut besaßen. Als die Kinder größer wurden, nahmen sie die Kinder jedes zweite Jahr mit. Dann brachten sie den Urlaub meistens an der See zu. Dass ihr Vater die Urlaubszeit eifrig nützte, alle Schönheiten mit der Kamera festzuhalten, ist wohl selbstverständlich. Damals erfand Röntgen die Röntgenstrahlen. Theo hatte keine Ruhe, bis er auch eine Apparatur im Hause hatte. Wenn dann Besuch nach Wülfrath kam, führte er seinen Gästen eine Durchleuchtung vor. Aber es sprach sich herum, dass er diesen Apparat besaß, während die Krankenhäuser den Apparat noch nicht benutzten. Da blieb es nicht aus, dass ihm oft Leute zugestellt wurden, die einen Fremdkörper im Leibe hatten und die deshalb durchleuchtet werden sollten. Theo kam den Wünschen immer nach, selbst wenn die Patienten ihm ungelegen kamen. Da man damals noch kaum Erfahrung mit den Strahlen hatte, kamen wohl Verbrennungen vor, wenn die Bestrahlung zu lange dauerte. Daraus erwuchsen ihm auch gelegentlich Unannehmlichkeiten.
Kaum besaß man Kenntnisse davon, dass man den elektrischen Strom auch zu Beleuchtungszwecken verwenden konnte, brannte auch in seinem Hause schon das elektrische Licht, während man im ganzen Umkreis noch auf Petroleumlampe und Gaslicht eingestellt war. Auch die Wasserkraft, die bei ihm Waschmaschine und Trockenschleuder betrieben hatte, wusste er bald durch elektrischen Strom zu ersetzen.
Theo war sehr musikliebend. Als er noch in London war, hatte er sich dort ein Harmonium amerikanischer Herkunft zugelegt, auf dem er meisterhaft zu spielen verstand. Auch bei der Weihnachtsfeier begleitete das Harmonium die Andacht, die der Bescherung vorausging. Der Weihnachtsbaum und die Gabentische standen im Treibhause, weil dessen unzählige Scheiben den brennenden Baum vielfach widerspiegelten. Bei Festlichkeiten wurde der Teppich im langen Flur aufgerollt, damit da getanzt werden konnte, während Theo auf dem Pianola aufspielte. Kaum war der Fonograf erfunden, da war er auch schon im Hause. Um seinen Mitbürgern eine Freude zu bereiten, stellte Theo das neuartige Gerät gerne sonntags im Garten auf, damit auch sie sich an den Weisen erfreuen konnten. Später übernahm das Grammofon diese Rolle. Theo machte seinen Wülfrathern häufig eine Freude. Nicht nur, dass er besonders in der Vorweihnachtszeit ab und zu einen Vortrag hielt, der mit Bildern illustriert war. An lauen Sommerabenden bescherte er seinen Mitbürgern gerne eine bengalische Beleuchtung und Feuerwerk im Stadtwald. Auch einen Luftballon ließ er eines Sonntags auf dem Flehenberge steigen. Sein Verhältnis zu seinen Arbeitern war ganz persönlich. Oft kamen sie zu ihm, um in Privatangelegenheiten sich seinen Rat zu holen. In Krankheitsfällen konnten die Familien damit rechnen, dass in der Wilhelmstraße nahrhaft für sie gekocht wurde.
Am 22.10.1897 wurde Augusta Victoria, genannt Ria, geboren. Das war Jettys 6. Kind. Sie war eine herzensgute Mutter und tat auch viel Gutes in der Gemeinde. Sie litt manchmal unter der Eifersucht ihres Mannes, obwohl sie ihm nie einen Grund dazu gegeben hatte. Sie hätte auch lieber gesehen, dass die Verbindung mit ihrem Elternhaus mehr aufrechterhalten bliebe. Nur alle zwei Jahre leisteten sich die Eltern Theo Herminghaus eine Urlaubsreise allein und die führte nur für kurze Zeit zum Plattensee; die längste Urlaubszeit verbrachte man anderswo, wo Theo für seinen Fotoapparat lohnendere Ziele suchte und meistens auch fand. Meistens waren es Teleskopaufnahmen, die Theo mit nach Hause brachte. Da wurden sie in Schaukästen untergebracht, wo sich jeder, der den Apparat bediente, an den vorzüglichen Bildern erfreuen und die Reiseeindrücke miterleben konnte. In den Herbstferien reiste die ganze Familie zum Wohle der Kinder meist an die See. So kam es zu den Reisezielen Scheveningen, Norderney und Rothenfelde.
Im Jahre 1898 feierte Theodors jüngste Schwester in Düsseldorf im Hotel Heck ihre Hochzeit. Da war es Theo, der zur allgemeinen Belustigung lebende Bilder auf die Leinwand warf, zu denen seine Schwägerin Louise die Verse vortrug. Da wurde keiner der Hochzeitsgäste übergangen, selbst Theo wurde nicht verschont. Da erschien zuerst ein Familienbild. Und der Text lautete:
Theo mit Familie potz Blitz.
Das ist ja Theo der Fotografitz,
umgeben von Frau und Kinderlein.
Es fehlt nur noch das ganz Kleine.
Man braucht nach Würzburg nicht zu gehn,
will man Professor Röntgen sehn.
Auch Theo betreibt mit Geld und Geschick
die geheimen Künste der Physik.
Da geht alles telegrafisch telefonisch
mikrofonisch fonografisch
stenografisch edisonisch.
Alles strahlt im Tesla-Licht,
nur die Dunkelkammer nicht.
In diesem Jahre führte Theos Urlaubsreise nach England, wo er zuerst die Familien aufsuchte, bei denen er in seinen Ausbildungsjahren so gerne geweilt hatte. Anschließend besuchte und fotografierte er die Sehenswürdigkeiten Englands auf seiner Reiseroute. Nach der Reise kränkelte Henriette Herminghaus. Sie war von schwächlicher Konstitution. Die sechs Geburten hatten an ihrer Lebenskraft gezehrt und sie siechte langsam dahin, bis sie am 31.8.1900 von ihrem Leiden erlöst wurde. Zu ihrer Entlastung war ein Fräulein engagiert worden, die sich als recht tüchtig erwies. Zur Gesundheitspflege der ganzen Familie hatte Theo eine Turnhalle angelegt, in der es an Turngeräten nicht mangelte. Auch Apparate waren da aufgestellt, wie man sie sonst nur in orthopädischen Kliniken findet. Sie trugen dazu bei, dass die Kinder gesund und kräftig heranwuchsen.
Geburt:  Mi., 25. Januar 1854 in:  Wülfrath
Taufe:  Fr., 17. Februar 1854in:  Wülfrath
 Quellen:Taufregister 1854/9, Pfarramt Wülfrath
 https://familysearch.org/pal:/MM9.1.1/NTS1-1Y3
Tod:  Di., 16. Januar 1923 in:  Wülfrath
 Quelle:Sterberegister 1923/4, Pfarramt Wülfrath
Vater:  Friedrich Wilhelm Herminghaus* 08.04.1826 Wülfrath
≈ 04.05.1826 Wülfrath
∞ 03.10.1849 Wülfrath
  Luisa Henriette Dörr
∞ ca. 1890
  Johanna Maria Dörr
† 28.06.1907 Wülfrath
± 01.07.1907 Wülfrath
  (1826 – 1907)
Mutter:  Luisa Henriette (Luise) Dörr* 15.01.1827 Wülfrath
≈ 18.01.1827 Wülfrath
∞ 03.10.1849 Wülfrath
  Friedrich Wilhelm Herminghaus
† 13.11.1888 Wülfrath
± 16.11.1888 Wülfrath
  (1827 – 1888)
weitere Ehe:  + Rosa (Röschen) Deusser* 12.11.1864 Köln
∞ von Cleef
∞ ca. 1902
  Carl Theodor Herminghaus
† 21.10.1922 Wülfrath
± 25.10.1922 Wülfrath

Heirat:  Sa., 16. August 1884 in:  Reichenberg/Böhmen
 Quelle:Heiratsregister 1884/13, Pfarramt Reichenberg/Böhmen
„deutsch-evangelisch“
Die Ehe zwischen Theodor und Henriette kam erst nach Überwindung starker Widerstände zustande, da er Protestant, sie Katholikin war (Siegleriana S. 13)

Ehefrau:Personenblatt  Henriette Antonia Maria (Jetty) Siegler [Edle von Eberswald]   (1855 – 1900)
 römisch-katholisch; Edle von Eberswald
„In den 14 Jahren, die Henriette in Wülfrath verbrachte, erwarb sie sich als Angehörige einer führenden Familie des Ortes den Beinamen 'Engel von Wülfrath'.“ (Siegleriana S. 13-14)
aus einem Brief von Konrad von Siegler an Henny Herminghaus (14. 01. 1928):
„Henriette Siegler, Edle von Eberswald, eure Mutter, die am 19. Juni 1855 zu Zics geboren wurde. Euer Vater, Theodor Herminghaus, vermählte sich mit ihr am 16. August 1884 zu Reichenberg. Wer und was sie war, wisst ihr teils durch Erfahrung, teils durch Überlieferungen. Dass es aber wenig so edle Geschöpfe giebt, wie sie eins war, hat auch euer Grossvater bekannt, der doch die Ehe um jeden Preis verhindern wollte.“
Geburt:  Di., 19. Juni 1855 in:  Zics, Ungarn
 Quelle:Geburtsregister 1855/183, Nágocs, Ungarn
nach Siegleriana S. 78 am 19. 07. 1855 geboren (Druckfehler)
Taufe:  Mi., 20. Juni 1855in:  Nágocs, Ungarn
Tod:  Fr., 31. August 1900 in:  Wülfrath
 Quelle:Sterberegister 1900/55, Pfarramt Wülfrath
Begräbnis:  Di., 4. September 1900in:  Wülfrath
Vater:  Carl Adolf von Siegler* 26.11.1806 Wien, Österreich
≈ 26.11.1806 Wien, Österreich
∞ 11.02.1847 Kelt Pécsett, Ungarn
  Petronella Anna Antonia … von Zajatsik
† 10.09.1877 Zics, Ungarn
  (1806 – 1877)
Mutter:  Petronella Anna Antonia Carolina Francisca Maria (Petronill) von Zajatsik* 24.03.1819 Petrovaradin
≈ 24.03.1819 Petrovaradin
∞ 11.02.1847 Kelt Pécsett, Ungarn
  Carl Adolf von Siegler
† 23.02.1864
  (1819 – 1864)

(1) Sohn:Personenblatt  Friedrich Wilhelm Herminghaus* 24.06.1885 Reichenberg/Böhmen
∞ 28.12.1916 Wuppertal-Elberfeld
  Johanna Margaretha Kemper
† 05.02.1966 Iserlohn
  (1885 – 1966)
 evangelisch-reformiert; Textilfabrikant
„Wilhelm war gelernter (unter anderem in England) Textilfabrikant und übernahm das Erbe Theodors nach dessen Tod bei Ende der Inflation 1923. Durch Krieg und Wirtschaftskrise gingen jedoch die Fabriken nach 1930 und nach 1945 successive ein; in Reichenberg wurde das Werk enteignet. Die Firma Herminghaus & Co in Wuppertal ist heute nur noch eine Grundstücksverwaltungsgesellschaft mit Liegenschaften dort und in Wülfrath.“ (Siegleriana S. 14)
Geburt:  Mi., 24. Juni 1885 in:  Reichenberg/Böhmen
Heirat:  Do., 28. Dezember 1916 in:  Wuppertal-Elberfeld
Tod:  Sa., 5. Februar 1966 in:  Iserlohn
Ehepartner:  + Johanna Margaretha (Margret) Kemper* 11.04.1890 Wuppertal-Elberfeld
∞ 28.12.1916 Wuppertal-Elberfeld
  Friedrich Wilhelm Herminghaus
† 13.03.1963 Wuppertal

(2) Tochter:Personenblatt  Luise Henriette Klothilde Herminghaus* 10.10.1886 Wülfrath
∞ 25.09.1913
  Julius Eigen
† 20.08.1969 Solingen
  (1886 – 1969)
 evangelisch-reformiert
lebte zuletzt gelähmt in Solingen
Geburt:  So., 10. Oktober 1886 in:  Wülfrath
Heirat:  Do., 25. September 1913   
Tod:  Mi., 20. August 1969 in:  Solingen
Ehepartner:  Julius Eigen* 04.03.1884
∞ 25.09.1913
  Luise Henriette Klothilde Herminghaus
† 28.09.1963 Solingen

(3) Sohn:Personenblatt  Carl Theodor Herminghaus* 30.09.1887 Wülfrath
≈ 29.02.1888
∞ 02.11.1913 Colby, Wisconsin
  Gertrud Auguste Kurzhals
† 14.06.1959 Wuppertal-Barmen
± 18.06.1959 Wuppertal-Barmen
  (1887 – 1959)
 evangelisch-reformiert; Landwirt, Webereibetriebsleiter
„Theodor war gelernter Landwirt und zunächst Gutsverwalter bei Posen (Poznán, Polen), wo er auch seine spätere Frau kennen lernte. Anfangs des Jahrhunderts ging Theodor nach den USA, wo er die verschiedensten Berufe ausübte, 1913 heiratete und über den Krieg hinaus blieb. Nach Deutschland zurückgekehrt, arbeitete er sich in das Webereifach ein und wurde schließlich Betriebsleiter der Wülfrather Fabrik. Nach deren Schließung 1932 ging Theodor zu Webereien nach Süddeutschland. Nach dem II. Krieg war er bei der Stadt Wuppertal beschäftigt.“ (Siegleriana S. 14)
Geburt:  Fr., 30. September 1887 in:  Wülfrath
Taufe:  Mi., 29. Februar 1888
Heirat:  So., 2. November 1913 in:  Colby, Wisconsin
 Quelle:Heiratsregister Nr. 15, Standesamt Colby, Wisconsin
Tod:  So., 14. Juni 1959 in:  Wuppertal-Barmen
Begräbnis:  Do., 18. Juni 1959in:  Wuppertal-Barmen
 Friedhof Hugostraße
Ehepartner:  Gertrud Auguste (Trude) Kurzhals* 02.12.1885 Waldau
≈ 26.12.1885
∞ 02.11.1913 Colby, Wisconsin
  Carl Theodor Herminghaus
† 31.05.1959 Wuppertal-Barmen
± 04.06.1959 Wuppertal-Barmen

(4) Sohn:Personenblatt  Franz Georg Herminghaus  (1888 – 1889)
 evangelisch-reformiert
Geburt:  Do., 22. November 1888 in:  Wülfrath
Tod:  Do., 22. August 1889 in:  Wülfrath

(5) Tochter:Personenblatt  Ida Johanna Henriette (Henny) Herminghaus   (1891 – 1974)
 evangelisch-reformiert; Gartenbaulehrerin
lebte zuletzt in Wülfrath
Geburt:  Mi., 14. Januar 1891 in:  Wülfrath
 Quelle:Geburtsregister 1891/7, Standesamt Wülfrath
Taufe:  Di., 24. März 1891in:  Wülfrath
 Quelle:Taufregister 1891/22, Pfarramt Wülfrath
Tod:  Mi., 10. April 1974 in:  Wülfrath

(6) Tochter:Personenblatt  Augusta Viktoria (Ria) Herminghaus* 22.10.1897 Wülfrath
∞ 25.08.1923 Wülfrath
  Lorenz Lindl
† 01.10.1945 Ludwigshafen
  (1897 – 1945)
 evangelisch-reformiert
Geburt:  Fr., 22. Oktober 1897 in:  Wülfrath
Heirat:  Sa., 25. August 1923 in:  Wülfrath
Tod:  Mo., 1. Oktober 1945 in:  Ludwigshafen
Ehepartner:  + Lorenz Lindl* 06.03.1892 Berching
∞ 25.08.1923 Wülfrath
  Augusta Viktoria Herminghaus
† 12.08.1965 Ludwigshafen
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